(N)SPD ? - Zu Aly's provokativer These

Auf die Kontroverse zwischen Götz Aly und Wolfgang Wippermann habe ich schon hingewisen.
Andy Pöttgen aus Köln-Ehrenfeld schreibt im vorwärts zur These des "sozialdemokratischen" Antisemitismus Aly's.
Ins Rampenlicht zerrt Aly den Sozialdemokraten Franz Mehring. Der Publizist, Leiter der Parteischule und Mitgründer der KPD, wird von ihm ausführlich als Antisemit dargestellt. So habe er den Begründer des Berliner Antisemitismusstreit verteidigt, in dem er Heinrich von Treitschke attestiert, in der „einzig würdigen Weise“ und mit „männlichem Freimute“ seine Thesen dargelegt zu haben. Weiter schreibt Aly: „Unter Hinweis auf Marx kündigte Mehring immer wieder ‚die Emanzipation der Gesellschaft vom Judentum’ an, sobald die geschichtliche Voraussetzung des Judentums, der Schacher, dank der sozialen Revolution ‚aufgehoben’ sei.“
Im Abschnitt über die Sozialdemokratie schreibt Aly das Bild, dass der Antisemitismus von vielen in der Partei als nützliche Brücke zu breiten Mehrheiten im Volk gesehen worden sei. So sei man im Parteivorstand sicher gewesen, dass der „gelegentlich antisemitisch infiltrierte kleine Mann“ mit seinen Ressentiments „doch einen hohen Grad sozialer Unzufriedenheit [zeigt], er heute zwar in die falschen Bahnen gelenkt ist, aber den ganzen Antisemitismusschwindel überdauern und schließlich uns zugute kommen wird“.
In dieser Logik denke auch Vorwärts-Gründer Wilhelm Liebknecht, wenn ihn Aly damit zitiert, dass der Antisemitismus „keineswegs unwillkommen“ sei. Den Vorwärts zitiert er ebenfalls: „So kulturwidrig [der Antisemitismus] ist, so ist er doch Kulturträger wider Willen – im wahren Sinn des Wortes Kulturdünger für die Sozialdemokratie.“
Auch ich bin der Auffassung, dass Aly überzieht und provoziert. Antiseminitismus hat es damals in allen politischen Bewegungen gegeben - mal programmatisch, mal weniger. Weniger in der SPD - aber auch dort. Das ist entfernt mit dem Heute vergleichbar. Es gibt rassistische Ressentiments in der SPD - verbreitet und gelegentlich prominent. Da ist der Steinmeier, der den Kurnaz nicht wieder haben wollte. Da ist der Sarrazin, dessen Verbleib der Buschkowski und der Steinmeier gutfinden. Sarrazin ist weiterhin SPD-Mitglied, Sergey Lagodinsky nicht mehr. Der vormalige Vorsitzende des jüdischen Arbeitskreises der Partei erklärte: "Die SPD habe Angst vor dem Stammtisch." Vielleicht hat sich Aly von dieser sozialdemokratischen Dumpfbackigkeit (ver)leiten lassen.

Hingegen schaue man sich aktuell nur den Antisemitismusstreit in der Linken an. Den findet man  in der SPD nicht, dafür das andere populistische Zeug.

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