Das deutsche Genom - zum (Un-)Verständnis der christlich-jüdischen Leitkultur

»Warum die Deutschen? Warum die Juden? Gleichheit, Neid und Rassenhass 1800–1933«
ist der Titel des neusten Buches von Götz Aly.  In der Verlagsankündigung heißt es dazu:
Er beschreibt Fortschrittsscheu, Bildungsmangel und Freiheitsangst so vieler christlicher Deutscher während des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Dagegen begeisterten sich die deutschen Juden für das Stadtleben, für höhere Bildung; sie wussten die Chancen der Moderne zu nutzen. Die trägen Nicht-Juden sahen ihnen mit Neid und Missgunst hinterher. Aus Schwäche erwuchsen zuerst Sehnsucht nach kollektiver Stärke, dann Rassendünkel und am Ende mörderischer Antisemitismus.
Der streitbare Wolfgang Wippermann wirft Aly in der Jüdischen Allgemeinen  vor, eindimensional zu argumentieren.

Eine verblüffend einfache Antwort. Doch stimmt sie? Waren die Deutschen wirklich nur neidisch? Hat Neid beziehungsweise der soziale Antisemitismus zur Schoa geführt? Was ist mit den anderen Komponenten des Antisemitismus? Wo bleibt der religiöse, genauer, christliche Antisemitismus? Haben die deutschen und anderen Christen die im Neuen Testament erwähnten jüdischen »Teufelskinder« und »Christusmörder« nur beneidet? Nein, sie haben sie gehasst! Und was ist mit dem Rassenantisemitismus? Die nach den Worten der deutschen und europäischen Ideologen des Rassismus »rassisch minderwertigen« Juden wurden nicht beneidet, sie wurden verachtet. 
Wippermann wirft ein Schlaglicht, auf die noch nach historischen Antisemiten benannten Straßen von Berlin. Und kritisiert auch:

Nicht gut finde ich auch seine antisozialdemokratische Häme. Sicher, Antisemitismus gab es auch innerhalb der Sozialdemokratie. Doch der war längst nicht so virulent und verbreitet wie bei den Konservativen. Und aus Franz Mehring sollte man nun wirklich keinen Antisemiten machen. Das hat der erste und bis heute wichtigste sozialdemokratische Historiker so nicht verdient.

Der Rezensent schließt versöhnlich, lobt die gute Schreibe Aly's und sein fundiertes Bemühen um Diskussionen. "Schön" anzuschauen ist das illustrierte Foto zum Artikel der JA - typical german. Aly liest aus seinem Buch am 27.09.2011 in Berlin.

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